Im Wettbewerb des 64. Monte-Carlo Television Festival wurde die neue deutsche Serie Hundertdreizehn erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt. Produziert von Windlight Pictures und Sotel Film in Koproduktion mit WDR/ARD und ORF, vertrieben von ITV Studios, soll die Serie im Oktober 2025 in Deutschland ausgestrahlt werden. Schon der Titel weckt Neugier – warum bleibt er auf Deutsch?
Die Produzenten erklärten, dass die Serie international unter dem Titel 113 vermarktet wird, bei Festivalvorführungen wie in München oder Monte-Carlo jedoch bewusst der deutsche Originaltitel verwendet wurde – für das lokale Publikum direkter und eingängiger. Im Mittelpunkt bleibt dabei immer die Zahl 113.
Die Grundidee basiert auf einer Studie des deutschen Verkehrsministeriums: Jeder tödliche Unfall betrifft im Schnitt 113 Menschen direkt – darunter Angehörige, Augenzeugen und Rettungskräfte. Von diesem Gedanken ausgehend entwickelte der Drehbuchautor und Co-Schöpfer eine radiale Erzählstruktur mit einem Busunglück als Epizentrum. Von dort entfalten sich sechs bis sieben Handlungsstränge, in denen es um Ermittlungen, verborgene Geheimnisse und emotionale Nachwirkungen geht, die das Leben der Beteiligten tiefgreifend verändern.
Jede Folge ist wie ein eigenständiger 45-minütiger Film inszeniert und behandelt universelle Themen wie Schuld, Liebe, Tod und Vergebung. Mit über 60 Figuren und sechs Hauptcharakteren ist Hundertdreizehn ein ambitioniertes Projekt mit hohem Produktionsaufwand, das sowohl in Drehbuch als auch Schauspiel besondere Sorgfalt verlangte.
Ein besonders bewegender Moment, der auf der Pressekonferenz hervorgehoben wurde, ist die Darstellung von Armin Rohde als Alzheimer-Patient – eine Rolle, die auch für den Autor eine persönliche Bedeutung hatte, da er die Krankheit in der eigenen Familie erlebt hat.
Das Ensemble betonte die außergewöhnliche Arbeitsweise am Set: Der Autor war stets anwesend, erklärte Hintergründe zu den Dialogen, unterstützte die Schauspieler und war sogar bei der Umsetzung einer Szene mit einem Hund beteiligt. Der Hund – vom Team liebevoll „Earthquake“ genannt – entwickelte sich zur Maskottchen der Produktion und besitzt inzwischen sogar einen eigenen Instagram-Account.
Schauspielerin Patricia Olinski beschrieb ihre Figur als betrogene und verschlossene Frau, die zunächst nicht in der Lage ist, den Verlust ihres Partners und des Vaters ihrer Tochter zu verarbeiten. Erst nach und nach öffnet sie sich dem Schmerz und einer verborgenen Wahrheit über ein Doppelleben. Ein anderer Hauptdarsteller, Robert Stadlober (Das Boot), schilderte die Herausforderung, einen empathischen Polizisten zu spielen – einen Vermittler, der erkennt, was anderen entgeht. Sein Charakter steht im Kontrast zu seiner analytischeren Partnerin, was ein spannendes Zusammenspiel von Intuition und Logik ergibt.
Die Produzenten erzählten, dass das Konzept der Serie bereits vor acht Jahren entstand – in einem anderen Format. Erst mit der Gründung von Windlight Pictures und dem Einstieg des österreichischen Partners Sotel fand das Projekt die passende Form. Durch diese Zusammenarbeit konnte auch eine österreichische Familiengeschichte in den Plot integriert werden – ein narrativer Gewinn und zugleich ein Schlüssel zur finanziellen Umsetzbarkeit der Koproduktion.
Trotz hoher Kosten – bedingt durch den anthologischen Charakter und fehlende Skaleneffekte – verfolgte man konsequent das Ziel, ein originelles, nicht auf bestehenden Romanen oder Franchises basierendes Werk zu schaffen. In einem Fernsehmarkt, der oft auf sichere Konzepte setzt, stellt Hundertdreizehn bewusst einen Gegenentwurf dar: mutig, neu und menschlich.
Zur Zukunft äußerten sich die Macher offen: Eine zweite Staffel sei nicht ausgeschlossen, doch die Handlung rund um den Busunfall werde in Staffel 1 abgeschlossen. Sollte es eine Fortsetzung geben, könnte sie sich auf die Ermittlerfiguren konzentrieren und weiterhin abgeschlossene Episoden mit einem verbindenden Thema bieten – ähnlich wie bei White Lotus.
Auch leichtere Momente prägten das Roundtable-Gespräch: etwa der Austausch über persönliche Erfahrungen mit Verlust, Resilienz und ein früheres Unglück, das einen der Darsteller nachhaltig geprägt hat. Diese persönlichen Bezüge verdeutlichen, worum es bei Hundertdreizehn im Kern geht: Wie ein tragisches Ereignis Wellen schlägt – und wie Leben und Tod das Leben vieler Menschen beeinflussen.
Die Serie befindet sich derzeit in der Postproduktion – Tonmischung und finale Titel sind noch in Arbeit. Das Ziel ist klar: Hundertdreizehn soll zuerst als starkes deutsches und österreichisches Projekt Aufmerksamkeit erregen – und später eventuell als Format für andere Märkte adaptiert werden.
Intensiv, emotional und vielstimmig erzählt – Hundertdreizehn könnte schon jetzt als einer der meistdiskutierten Serienstarts des Herbstes 2025 gelten. Eine Produktion, die filmische Qualität mit tief menschlichem Erzählen verbindet – und zeigt, welches Potenzial in europäischem Fernsehen steckt.














